Kong ist raus, Envoy ist drin: Was der Gateway-Wechsel für Self-Hosted Supabase bedeutet

5. September 2026
Timo WevelsiepTimo Wevelsiep
pangohost

Kong ist raus, Envoy ist drin: Was der Gateway-Wechsel für Self-Hosted Supabase bedeutet

Seit August 2026 ist Envoy das Standard-Gateway im Self-Hosted Supabase. Wer bricht, was zu tun ist und warum Kong überhaupt weichen musste.

supacloud.de Blog

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Wer Supabase selbst betreibt, hat im August 2026 ein Update bekommen, das mehr ist als ein Versionssprung: Das Standard-API-Gateway ist von Kong auf Envoy gewechselt. Für die meisten Installationen läuft das durch, für drei Konstellationen nicht. Interessanter als die Migration selbst ist aber der Grund dahinter, denn er sagt etwas darüber, was beim Selbstbetrieb von Open-Source-Stacks tatsächlich auf einen zukommt. Dieser Beitrag erklärt, was sich geändert hat, wer betroffen ist und wie Sie das in zehn Minuten für Ihre Installation feststellen.


Inhaltsverzeichnis

Was sich geändert hat

Mit Release 0.8.0 der Self-Hosted-Konfiguration vom 11. August 2026 ist Envoy das Standard-API-Gateway [2]. Angekündigt hatte Supabase den Wechsel für die Woche ab dem 9. August 2026 [1].

Konkret [1][2]:

  • Der Dienst kong in der docker-compose.yml heißt jetzt api-gw und läuft im Container supabase-envoy.
  • Der Name kong bleibt als Netzwerk-Alias erhalten, damit bestehende Verbindungen innerhalb des Compose-Netzes weiter funktionieren.
  • Kong wird zu einem optionalen Override in einer neuen docker-compose.kong.yml.
  • docker-compose.envoy.yml ist zu einem No-Op-Shim geworden, weil Envoy jetzt ohnehin Standard ist.
  • Neu ist die Variable API_GW_HTTP_PORT, die auf KONG_HTTP_PORT zurückfällt, wenn sie nicht gesetzt ist.
  • Die Overrides für Caddy und nginx leiten jetzt auf api-gw weiter.

Der Netzwerk-Alias ist die freundliche Geste in diesem Release. Ohne ihn hätte jeder Dienst im Compose-Netz, der kong als Host adressiert, sofort ins Leere gezeigt.

Wer bricht, und wer nicht

Supabase benennt die betroffenen Fälle in der Ankündigung ausdrücklich [1]. Es sind drei, und sie lassen sich in zehn Minuten prüfen.

Erstens: der HTTPS-Listener auf 8443. Kong brachte einen eigenen HTTPS-Listener auf Port 8443 mit. Envoy lauscht nur auf einfachem HTTP auf Port 8000 [1]. Wer 8443 direkt exponiert oder intern angesprochen hat, verliert diesen Weg.

Zweitens: eine angepasste kong.yml. Eigene Routen, Plugins oder ACLs in volumes/api/kong.yml haben in Envoy keine automatische Entsprechung. Sie müssen auf Envoys Konfiguration portiert werden [1].

Drittens: Skripte, die den Dienstnamen benutzen. Alles, was kong als Compose-Dienst adressiert, etwa docker compose logs kong, greift ins Leere, weil der Dienst jetzt api-gw heißt [1]. Der Netzwerk-Alias hilft hier nicht: Er gilt für die Netzwerkauflösung, nicht für den Compose-Dienstnamen.

Nicht betroffen sind Nutzer der Supabase-Plattform und Nutzer des lokalen CLI [1]. Wer eine unveränderte Standardinstallation ohne direkten 8443-Zugriff betreibt, bekommt ein normales Update.

Die Prüfung in drei Fragen

Frage Wenn ja
Greift etwas direkt auf Port 8443 zu? TLS vor den Gateway ziehen, Caddy- oder nginx-Override nutzen
Gibt es eine angepasste volumes/api/kong.yml? Routen, Plugins und ACLs auf Envoy portieren, oder Kong-Override einschalten
Referenziert ein Skript oder Monitoring den Dienstnamen kong? auf api-gw umstellen

Dreimal nein bedeutet: normales Update, Konfigurationsdateien aktualisieren, weitermachen.

Der Ausweg, und warum er keiner ist

Kong lässt sich mit sh run.sh config add kong als Override wieder einschalten [1]. Das ist die richtige Entscheidung, wenn ein Update ansteht und gerade keine Zeit für die Portierung ist.

Als Dauerlösung trägt es nicht. Supabase begründet den Wechsel damit, dass die Open-Source-Linie von Kong praktisch stehen geblieben sei und die ausgelieferte Version nicht mehr gepflegt werde [1]. Ein Override, der auf einer eingefrorenen Komponente sitzt, verschiebt die Arbeit nur nach hinten, und zwar in eine Zeit, in der der Abstand größer geworden ist.

Der zweite genannte Grund ist der freundlichere: Envoy bringt Routing als Konfiguration in YAML und erstklassige Unterstützung für die neuen API-Keys [1].

Was daran wirklich interessant ist

Der Gateway-Wechsel ist für sich genommen eine überschaubare Migration. Bemerkenswert ist er im Zusammenhang.

Sehen Sie sich an, was zwischen Juni und August 2026 in derselben Konfiguration passiert ist [2]:

Release Datum Was Self-Hoster trifft
0.5.0 03.06.2026 Logs und Analytics fliegen aus der Standard-Compose, Opt-in über ein Override
0.6.0 17.06.2026 Postgres 17 wird Standard, ein bestehendes PG-15-Datenverzeichnis lässt sich damit nicht starten [6]
0.7.0 07.07.2026 API_EXTERNAL_URL bekommt den Pfad /auth/v1, SAML-SSO-Endpunkte ziehen um, neue Pflichtvariable
0.8.0 11.08.2026 Kong wird durch Envoy ersetzt

Vier geplante Eingriffe in gut zwei Monaten, davon zwei mit echtem Bruchpotenzial. Das ist kein Vorwurf an das Projekt. Supabase entwickelt schnell, dokumentiert die Änderungen sauber und liefert seit 0.7.1 sogar ein update.sh samt einer upgrades.json, die Breaking Changes versioniert absichert [2]. Das ist mehr, als viele Projekte tun.

Es ist aber die ehrliche Antwort auf die Frage, was Selbstbetrieb kostet. Nicht der Server. Die Aufmerksamkeit.

Der Migrationsweg im Detail

Für alle, die es selbst fahren, in der Reihenfolge, die sich bewährt hat.

  1. Sichern. Vor allem das Datenverzeichnis und die Konfigurationsdateien. Ohne Sicherung gibt es keinen Rückweg.
  2. Betroffenheit prüfen anhand der drei Fragen oben. Das entscheidet, ob es ein Update oder ein Projekt wird.
  3. Konfigurationsdateien aktualisieren. Laut Changelog betrifft das docker-compose.yml und .env wegen API_GW_HTTP_PORT, dazu docker-compose.envoy.yml, die neue docker-compose.kong.yml und, falls im Einsatz, docker-compose.caddy.yml, docker-compose.nginx.yml, den Caddyfile und die nginx-Vorlage [2].
  4. TLS regeln, falls bisher über 8443 terminiert wurde. Caddy oder nginx davor, Envoy dahinter auf einfachem HTTP.
  5. Skripte und Monitoring umstellen von kong auf api-gw.
  6. Auf einer Kopie durchspielen, nicht auf der Produktivinstanz. Ein Gateway, der nicht startet, nimmt die gesamte API mit.
  7. Erst dann produktiv fahren, mit Wartungsfenster und Rückfallplan. Den offiziellen Ablauf beschreibt Supabase im Update-Leitfaden [3], die vollständige Compose-Referenz steht im Self-Hosting-Handbuch [4]; die konkrete Umstellung ist in Pull Request #48153 nachvollziehbar [5].

Supabase hat mit 0.7.2 außerdem eine Verbesserung eingebaut, die hier hilft: update.sh überschreibt sich nicht mehr selbst während eines Updates, sondern wird als update.sh.new zur Prüfung abgelegt [2]. Ein kleines Detail, das genau dann zählt, wenn ein Update mittendrin schiefgeht.

Warum das für die Anbieterwahl relevant ist

Die übliche Rechnung beim Selbstbetrieb lautet: Server plus Zeit. Der Serverteil ist leicht zu beziffern, der Zeitteil wird meistens zu niedrig angesetzt, weil er unregelmäßig anfällt.

Ein Gateway-Wechsel kostet keine acht Stunden pro Monat. Er kostet einmal einen halben Tag, plus die Wachsamkeit, ihn überhaupt mitzubekommen, bevor das nächste docker compose pull ihn ungefragt einspielt. Dieselbe Wachsamkeit brauchte es im Juni beim Postgres-Major-Upgrade und im Juli beim geänderten Auth-Pfad.

Genau an dieser Stelle unterscheidet sich Selbstbetrieb von betriebenem Hosting, und zwar unabhängig davon, wer der Anbieter ist. Die Frage ist nicht, ob jemand Docker starten kann. Die Frage ist, wer im Kalender stehen hat, dass in vier Wochen ein Bruch ansteht.

supacloud: Managed Supabase aus Deutschland

Wir betreiben die quelloffene Community-Version von Supabase als eigene, dedizierte Instanz, standardmäßig in Deutschland, mit AV-Vertrag nach Artikel 28 DSGVO. Der Gateway-Wechsel ist genau die Art Arbeit, die wir übernehmen: mit Ankündigung, mit Wartungsfenster, vorher auf einer Kopie durchgespielt. An Ihrer Projekt-URL und Ihren Keys ändert sich dabei nichts.

Der Preis ergibt sich aus Instanzgröße und Support-Stufe. In der Region Deutschland kostet S 99,90 € im Monat netto, M 149,90 € und L 249,90 €; die Support-Stufe Business kostet 100 € Aufschlag, Priority 150 € und Enterprise 350 €. Für den Produktivbetrieb nennt die Supabase-Dokumentation 4 vCPU und 8 GB als Empfehlung, also Größe M aufwärts.

Was wir ehrlicherweise auch nicht können: Branching, die Platform Management API und mehrere Projekte in einer Instanz gibt es nur in der Cloud-Plattform von Supabase, nicht im Open-Source-Stack. Getrennte Umgebungen bilden wir über eine zweite Instanz ab.

Leistungsumfang und Bereitstellung mit WZ-IT abstimmen. Bereitstellung und Vertragsbedingungen werden mit WZ-IT im Angebot vereinbart. Es gibt kein Self-Service-Portal und kein automatisches Testabonnement.

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Fazit

Der Wechsel von Kong zu Envoy ist eine gut dokumentierte Migration mit einem Rückfallweg und einem Netzwerk-Alias, der die häufigste Bruchstelle abfedert. Wer keinen direkten 8443-Zugriff, keine angepasste kong.yml und keine Skripte mit dem alten Dienstnamen hat, merkt davon wenig.

Der eigentliche Befund liegt daneben: Vier Änderungen mit Handlungsbedarf zwischen Juni und August, davon zwei mit echtem Bruchpotenzial. Supabase macht dabei vieles richtig, es dokumentiert sauber und liefert Werkzeuge mit. Aber die Arbeit bleibt bei dem, der die Instanz betreibt. Das ist die Rechnung, die beim Selbstbetrieb aufgemacht werden sollte, und nicht die für den Server.


supacloud ist ein unabhängiger Managed-Hosting-Anbieter und steht in keiner Verbindung zu Supabase Inc. oder Kong Inc. Supabase ist quelloffen, die Kernkomponenten stehen unter Apache 2.0 und MIT. Dieser Beitrag ordnet unabhängig betriebene Produkte zu Informationszwecken ein und ersetzt keine Rechtsberatung.


Quellen

Häufige Fragen

Was hat sich beim Self-Hosted Supabase geändert?▼
Das Standard-API-Gateway in der docker-compose.yml ist von Kong auf Envoy gewechselt. Der Dienst heißt jetzt api-gw und läuft im Container supabase-envoy; der Name kong bleibt als Netzwerk-Alias erhalten, damit bestehende Verbindungen weiter funktionieren. Kong ist zu einem optionalen Override geworden. Die Änderung ist in Release 0.8.0 der Self-Hosted-Konfiguration vom 11. August 2026 enthalten, angekündigt war sie für die Woche ab dem 9. August 2026.
Für wen ist das ein Breaking Change?▼
Für drei Gruppen. Erstens für alle, die Kongs eingebauten HTTPS-Listener auf Port 8443 direkt genutzt haben: Envoy lauscht nur auf einfachem HTTP auf Port 8000. Zweitens für alle mit einer angepassten kong.yml, also eigenen Routen, Plugins oder ACLs. Drittens für Skripte und Automatisierung, die den Gateway über den Dienstnamen ansprechen, etwa docker compose logs kong. Wer die Plattform oder das lokale CLI nutzt, ist nicht betroffen.
Kann ich bei Kong bleiben?▼
Ja, vorerst. Kong bleibt als Opt-in-Override verfügbar und lässt sich mit sh run.sh config add kong wieder einschalten. Das ist die schnelle Lösung, wenn ein Update ansteht und keine Zeit für die Portierung ist. Als Dauerlösung taugt es weniger: Supabase begründet den Wechsel damit, dass die Open-Source-Linie von Kong praktisch nicht mehr weiterentwickelt wird. Ein Override auf einer eingefrorenen Komponente ist eine Verschiebung, keine Entscheidung.
Warum hat Supabase Kong ersetzt?▼
Supabase nennt in der Ankündigung zwei Gründe. Erstens sei die Open-Source-Linie von Kong praktisch stehen geblieben, die ausgelieferte Version werde nicht mehr gepflegt. Zweitens biete Envoy Routing als Konfiguration in YAML und erstklassige Unterstützung für die neuen API-Keys. Der Wechsel ist damit weniger eine technische Vorliebe als eine Reaktion darauf, dass eine Kernkomponente des Stacks ihren freien Entwicklungspfad verloren hat.
Was ist mit HTTPS, wenn Envoy nur HTTP kann?▼
TLS gehört dann vor den Gateway. Supabase liefert dafür Overrides für Caddy und nginx mit, die auf api-gw weiterleiten; beide wurden mit demselben Release angepasst. In der Praxis ist das die sauberere Architektur: Terminierung im Reverse Proxy, einfaches HTTP dahinter im internen Netz. Wer bisher Kongs 8443 direkt exponiert hat, muss diesen Schritt aber aktiv nachziehen.
Welche Konfigurationsdateien muss ich anfassen?▼
Laut Changelog sind docker-compose.yml und .env zu aktualisieren, weil die neue Variable API_GW_HTTP_PORT hinzukommt; sie fällt auf KONG_HTTP_PORT zurück, wenn sie nicht gesetzt ist. Dazu kommen docker-compose.envoy.yml, das jetzt nur noch ein No-Op-Shim ist, die neue docker-compose.kong.yml für den Override sowie docker-compose.caddy.yml, docker-compose.nginx.yml, der Caddyfile und die nginx-Vorlage, falls Sie einen der Reverse Proxies nutzen.
Ist das der einzige Bruch in diesem Jahr?▼
Nein, und das ist der eigentliche Punkt. Allein zwischen Juni und August 2026 gab es mehrere Änderungen, die Self-Hoster betreffen: Logs und Analytics flogen mit 0.5.0 aus der Standard-Compose, mit 0.6.0 wurde Postgres 17 zum Standard und ein bestehendes Postgres-15-Datenverzeichnis lässt sich damit nicht einfach starten, mit 0.7.0 änderte sich der Auth-Pfad, und mit 0.8.0 kam der Gateway-Wechsel. Wer selbst betreibt, hat damit vier geplante Eingriffe in drei Monaten.
Wie prüfe ich, ob mein Setup betroffen ist?▼
Drei Fragen genügen für eine erste Einschätzung. Greift irgendetwas direkt auf Port 8443 zu? Existiert eine angepasste volumes/api/kong.yml mit eigenen Routen, Plugins oder ACLs? Referenziert ein Skript, ein Monitoring oder eine Log-Sammlung den Dienstnamen kong? Wird eine davon mit ja beantwortet, ist Vorarbeit nötig. Bei dreimal nein ist es ein normales Update.
Nimmt supacloud mir diese Migration ab?▼
Ja, das ist genau die Leistung. Wir fahren Versionswechsel mit Ankündigung und Wartungsfenster, prüfen vorher auf einer Kopie und übernehmen die Anpassungen an den Konfigurationsdateien. Für Sie ändert sich an der Projekt-URL und an den Keys nichts. Dass ein Gateway-Wechsel, ein Auth-Pfad und ein Postgres-Major-Upgrade in dieselben drei Monate fallen, ist kein Ausreißer, sondern der Normalfall bei einem Projekt in dieser Geschwindigkeit.
Was kostet Managed Supabase Hosting bei supacloud?▼
Der Preis ergibt sich aus Instanzgröße und Support-Stufe. In der Region Deutschland kostet die Größe S 99,90 € im Monat netto mit 2 vCPU, 4 GB RAM und 80 GB NVMe, M 149,90 € und L 249,90 €. Die Support-Stufe Business kostet 100 € Aufschlag, Priority 150 € und Enterprise 350 €. Für den Produktivbetrieb empfiehlt die Supabase-Dokumentation 4 vCPU und 8 GB, also Größe M aufwärts. Abgerechnet wird ausschließlich monatlich.
Welche Version von Supabase betreiben Sie?▼
Die quelloffene Community-Version, also denselben Stack, der auch hinter Supabase Cloud steht: Postgres, GoTrue für Auth, PostgREST, Realtime, Storage, Edge Functions und Studio. Nicht enthalten ist die Plattformschicht des Herstellers, also Branching, die Platform Management API und mehrere Projekte in einem Konto.
Timo Wevelsiep

Geschrieben von

Timo Wevelsiep

Co-founder, WZ-IT

Gründer von WZ-IT. Managed Supabase Hosting aus Deutschland, mit Schwerpunkt auf Postgres-Betrieb, Migrationen und Datensouveränität.

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